Klare Worte, klare Meinung

Generation V

V wie Vollpfosten

(Vorsicht: Satire.)

Ein Leserkommentar zu meiner Podcast-Folge über die Hohlbirnen bei der Teilzeitheiligen brachte es neulich sehr nüchtern auf den Punkt, und ich musste, ehrlich gesagt, kurz innehalten. Vollpfosten, schrieb er, seien im Grunde nur das Äquivalent zur Hohlbirne. Man möchte an so einer Stelle ja gern widersprechen. Die Realität zeigt sich jedoch erstaunlich unkooperativ.

Ich habe mir das einmal näher angeschaut. Leider begleiten Vollpfosten die Menschheit vermutlich schon deutlich länger als jede Generationenforschung, und man muss ihnen leider auch eine gewisse Konstanz zugestehen. Sie erscheinen zuverlässig überall dort, wo jemand mit bemerkenswerter Sicherheit Dinge erklärt, die bei näherem Hinsehen eher unter die Rubrik beherztes Raten fallen, vorgetragen mit einer Treffsicherheit, die sich von der Wirklichkeit bemerkenswert unabhängig gemacht hat. Besonders auffällig ist dabei weniger das Nichtwissen an sich, das kommt bekanntlich vor, sondern die fast majestätische Überzeugung, mit der es vorgetragen wird.

Während andere noch prüfen, abwägen oder einen Gedanken zu Ende führen, ist der Vollpfosten innerlich längst auf Sendung gegangen und teilt seine Erkenntnisse mit einer Ruhe, die fast schon wieder beeindruckt. Zweifel gelten in dieser Welt eher als unnötiger Ballast, den man frühzeitig abgeworfen hat, um beweglich zu bleiben und sich nicht von überflüssiger Selbstprüfung aufhalten zu lassen.

Was dabei besonders ins Auge fällt, ist seine stille Begeisterung für sich selbst. Nach jedem Satz, nach jeder noch so kühnen Punktlandung applaudiert er sich innerlich mit bemerkenswerter Hingabe und wirft dabei diesen wohlwollenden Blick in die Runde, der unmissverständlich signalisiert, dass unterstützendes Nicken jetzt durchaus angemessen wäre. Und man ahnt, ganz leise, dass er sich vermutlich sofort einen Tempel bauen ließe, wenn jemand kurz den Bauantrag herumreichen würde.

Was diese Erscheinung so bemerkenswert stabil macht, ist ihre innere Übersichtlichkeit. Wo wenig durcheinandergerät, kann man schließlich sehr aufrecht auftreten. Neue Gedanken haben es in solchen Räumen naturgemäß etwas schwerer, aber man möchte ja auch nicht ständig umdekorieren, wenn man sich einmal so schön eingerichtet hat.

Und so bewegen sie sich weiter durch Gespräche, Debatten und Kommentarspalten mit der ruhigen Gewissheit, dass jetzt wirklich alles Wesentliche gesagt worden ist.

Mittlerweile beschleicht mich allerdings der leise Verdacht, dass Hohlbirne und Vollpfosten womöglich eine Art siamesische Erscheinung sind. Das eine kommt selten ohne das andere aus, und je länger man hinschaut, desto enger scheint die Verbindung.

Und, geneigte Leserschaft, ich fürchte fast, wir werden uns mittelfristig noch mit einem dritten Begriff beschäftigen müssen.

Die Entwicklung bleibt interessant.

Nona Simakis

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