Klare Worte, klare Meinung

Ich lebe in Dortmund.
Ich schaue hin, lese mit, höre zu. Und manchmal stolpert man über Dinge, bei denen man einfach nur den Kopf schütteln kann.
Gestern wurde mir eine Story weitergeleitet. Keine große Bühne, kein viraler Aufreger. Aber der Inhalt war heftig. Darin wurden dem Team einer Dortmunder Social Media Seite Aussagen zugeschrieben, die so nie gefallen sind. Vorwürfe, die nicht nur haltlos sind, sondern bösartig. Solche Unterstellungen können Leben beschädigen. Beruflich, menschlich, existenziell.
Da ich das Team kenne, konnte ich im ersten Moment wirklich nur den Kopf schütteln. Ich weiß, wie sie arbeiten. Ich weiß, wie sie sprechen. Und ich weiß vor allem, was sie nie gesagt haben. Hier ging es nicht um Missverständnisse, nicht um zugespitzte Kritik, sondern um abgrundtiefe Verleumdungen.
Was mich dabei besonders irritiert hat, war nicht nur diese Story an sich. Sondern die Tatsache, dass sie von jemandem aus dem politischen Milieu weiterverbreitet wurde. Ohne Recherche. Ohne Nachfrage. Ohne einen einzigen Versuch zu prüfen, ob das überhaupt stimmt.
Wer in der Öffentlichkeit steht, trägt Verantwortung.
Und wer politische Verantwortung trägt, umso mehr. Teilen heißt nicht neutral bleiben. Teilen heißt verstärken. Und wer unbelegte Vorwürfe verstärkt, beteiligt sich an digitalem Mobbing.
Digitale Verleumdung ist leise.
Sie kommt nicht schreiend daher. Sie kommt mit moralischem Gestus, mit vermeintlicher Haltung, mit dem Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Aber auch gute Absichten ersetzen keine Fakten. Und moralische Gewissheit ersetzt keine Sorgfalt.
Was mich fast noch mehr beschäftigt, ist das Schweigen.
Kein Innehalten. Kein Zweifel. Kein Aufschrei darüber, wie schnell heute Menschen öffentlich markiert werden, solange es sich irgendwie richtig anfühlt. Als wäre es normal geworden, Existenzen aufs Spiel zu setzen, ohne überhaupt hinzuschauen.
Kritik ist wichtig.
Debatte ist notwendig.
Aber Kritik richtet sich an Inhalte. Und Debatte braucht Fairness. Wer stattdessen mit Verleumdungen arbeitet oder sie unterstützt, hat den eigenen Anspruch an politische Verantwortung verfehlt.
Wer ungeprüfte Vorwürfe teilt, macht sich nicht zum Beobachter, sondern zum Verstärker.
Und wer das aus einem politischen Amt heraus tut, verlässt den Boden der Verantwortung, den dieses Amt eigentlich verlangt.
Ich frage mich.
Und ich frage euch.
Ist das noch Haltung.
Oder ist das bereits Machtmissbrauch durch Reichweite.
Nicht laut.
Aber klar.
Nona Simakis
