Nonas Kolumne
Klare Worte. Klare Meinung.

Ich beobachte seit einiger Zeit etwas, das mich wirklich absolut nervt. Du sprichst ein Thema an. Du hinterlässt ein Statement. Du kritisierst etwas. Du stellst eine Kritik in den Raum. Oder du sagst einfach etwas ganz Konkretes.
Und kaum ist der Satz ausgesprochen, passiert immer dasselbe.
Dann kommen sie.
Die Fangirls und Fanboys.
Die Groupies.
Die Anhänger irgendeiner politischen Band.
Und die erste Reaktion lautet fast immer gleich.
„Ja, aber was ist mit …?“
Und zack. Thema erledigt.
Das nennt sich Whataboutism. Ein Begriff, der eigentlich nur beschreibt, was da gerade passiert. Statt auf das einzugehen, was gesagt wurde, wird sofort ein anderes Thema aufgemacht. Irgendwo anders hingelenkt. Irgendwo anders hingedeutet. Hauptsache, man muss sich mit dem, was gerade gesagt wurde, nicht beschäftigen.
Für mich hat das etwas mit kompletter Unreife zu tun.
Mit der Unfähigkeit, sich einer Aussage zu stellen.
Unfähigkeit, Kritik anzunehmen
Unfähigkeit, in einen Dialog zu gehen
Unfähigkeit, ein Argument auszuhalten
Unfähigkeit, einmal kurz nachzudenken, bevor man reagiert
Ich ertappe mich mittlerweile sogar dabei, dass ich für solche Verhaltensweisen neue Begriffe kreiere. Weil das, was wir da erleben, eigentlich längst einen Namen verdient.
Zum Beispiel das Diskursverweigerungs-Syndrom.
Du sprichst ein Thema an, stellst eine Frage, bringst eine Kritik ein und statt darauf einzugehen, wird sofort ausgewichen. Thema wechseln. Ablenken. Irgendwo anders hinzeigen.
Diskussion beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat.
Und dahinter steckt oft noch etwas anderes.
Das politische Groupie-Syndrom.
Meine Band hat recht.
Meine Seite hat recht.
Und egal, was sie sagt oder tut, ich verteidige sie.
Das sieht man besonders stark bei Grün, links und bei allen möglichen extremen politischen Lagern. Und eine andere rechtsextreme Partei möchte ich hier gar nicht erst erwähnen, weil sie für mich politisch schlicht nicht existiert.
Aber das Muster ist überall dasselbe.
Und dann gibt es noch eine Variante, die ich in einer früheren Kolumne schon einmal erwähnt habe, die aber genau zu diesem Verhalten dazugehört.
Das Blockieren.
Sobald eine klare Kritik kommt oder jemand tatsächlich eine Diskussion führen will, passiert etwas sehr Interessantes. Man wird einfach blockiert.
Das sieht man bei vielen Politikern auf Social Media ganz hervorragend. Kritische Stimmen verschwinden plötzlich. Seiten wirken dann wunderbar kritikfrei. Eine kleine Blase, in der nur noch Zustimmung existiert.
Dasselbe Verhalten findet man übrigens auch bei den politischen Groupies.
Wehe, jemand kommt mit einer klaren Frage oder einem Hinweis.
Dann wird nicht diskutiert.
Dann wird blockiert.
Und genau dort zeigt sich diese Unreife besonders deutlich.
Denn wer jemanden blockiert, weil er eine Diskussion fordert, zeigt eigentlich nur eines.
Dass er gar nicht diskutieren kann.
Du sprichst ein Problem an.
Und statt darüber zu reden, passiert eines von drei Dingen.
Es kommt eine Beleidigung.
Es kommt ein Whataboutism.
Oder es kommen irgendwelche komplett an den Haaren herbeigezogenen Geschichten.
Nur eines passiert fast nie.
Dass jemand sagt
„Okay, lass uns darüber reden.“
Was mich daran wirklich interessiert, ist der Charakter dahinter. Diese komplette Unfähigkeit, Kritik auszuhalten. Diese Unfähigkeit, sich einer Frage zu stellen. Diese Unfähigkeit, einmal kurz innezuhalten und zu sagen, vielleicht schaue ich mir das jetzt einfach mal an.
Stattdessen kommt sofort dieser Reflex.
„Ja, aber was ist mit …?“
Und in diesem Moment weiß man eigentlich schon alles, was man über die Qualität dieser Diskussion wissen muss.
Denn wer so reagiert, diskutiert nicht.
Er weicht aus.
Und irgendwann stellt sich eine ganz einfache Frage.
Ist es wirklich zu viel verlangt, von erwachsenen Menschen ein bisschen geistige Reife zu erwarten?
Oder zeigt sich hier etwas ganz anderes. Dass unsere Gesellschaft diese geistige Reife längst verloren hat?
Nona Simakis
