Nonas Kolumne – Klare Worte. Klare Meinung.

Ich habe es getan. Zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich mich aktiv in einen Wahlkampf eingemischt und jemanden unterstützt. Und ja, ich gebe es offen zu, ihr dürft ruhig schmunzeln, ich war naiv. Ich bin tatsächlich davon ausgegangen, dass politische Auseinandersetzung auf einer Form von gegenseitigem Respekt basiert. Dass man unterschiedliche Meinungen aushält. Dass man spricht.

Was ich dann erlebt habe, hat mir eine ganz andere Realität gezeigt.

In diesem Wahlkampf habe ich mich für den parteilosen Kandidaten Martin Cremer engagiert. Und was ich dabei erlebt habe, haben viele erlebt, die sich nicht für die Grünen oder die SPD positioniert haben. Alle anderen Parteien lasse ich bewusst außen vor, weil sie für mich in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen.

Die Realität sieht nämlich so aus:

  • Du wirst sofort politisch abgestempelt.
  • Du wirst in eine rechte Ecke gestellt, völlig unabhängig davon, was du wirklich sagst.
  • Du wirst blockiert, ausgegrenzt und öffentlich markiert.
  • Deine Inhalte spielen keine Rolle mehr, nur noch das Etikett zählt.
  • Deine Aussagen werden verdreht und gezielt zugespitzt.
  • Es entsteht Druck, dich zu distanzieren, um wieder als akzeptabel zu gelten.
  • Wenn du Freunde oder Mitstreiter hast, die nicht ins gewünschte Bild passen, wirst du sofort mit ihnen zusammen bewertet.
  • Diskussion findet nicht mehr statt, es geht nur noch um Einordnung und Kontrolle.

Und dann wird es wirklich interessant.

Ich habe beobachtet, dass gezielt Personen ausgewählt werden, die an den Pranger gestellt werden. Nicht zufällig. Sondern genau die, die den Mut haben, sich zu äußern. Die sprachlich stark sind. Die sich in sozialen Medien bewegen können. Von humorvoll über zynisch bis sarkastisch. Und ja, manchmal auch frech.

Genau diese Stimmen werden herausgegriffen.

Und dann passiert der nächste Schritt.

Nicht nur diese Person steht im Fokus, sondern alle, die mit ihr verbunden sind. Freunde. Unterstützer. Menschen aus dem Umfeld. Es entsteht eine kollektive Einordnung, bei der nicht mehr das Individuum zählt, sondern die Zugehörigkeit.

Einmal markiert, zieht sich das durch.

Und genau hier kippt etwas.

Viele ziehen sich zurück. Viele hören auf, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Nicht, weil sie nichts mehr zu sagen hätten, sondern weil sie genau sehen, was passiert, wenn man es tut.

Und gleichzeitig sprechen wir von einer demokratischen Kultur in Dortmund, von Vielfalt und Meinungsfreiheit, während sich ein Klima entwickelt, in dem genau das eingeschränkt wird, was eigentlich geschützt werden sollte.

Ich weiß auch, dass genau dieser Text wieder etwas auslösen wird. Dass bewertet wird. Eingeordnet wird. Weitererzählt wird. Vielleicht entstehen neue Zuschreibungen.

Und ganz ehrlich, das ist in Ordnung.

Ich sage, was ich beobachte. Ich stehe zu dem, was ich sage. Und ich lasse mich davon nicht davon abhalten, mich weiterhin einzubringen.

Der normale Leser sieht oft nur einzelne Aussagen oder Spitzen, aber nicht die Dynamik dahinter. Und genau deshalb entsteht dieser Eindruck, warum diese Personen plötzlich so gegen jemanden sind. Die Antwort liegt selten in einem einzelnen Moment. Es ist eine Entwicklung, die sich über Zeit aufgebaut hat. Und all das passiert auf dem Rücken der Bürger.

Das alles geschieht mitten in einem demokratischen Prozess.

Und vielleicht sollten wir noch etwas klar benennen.

Dieses kindische Führen von Kleinkriegen gegen einzelne Personen, nur weil sie nicht in ein bestimmtes Narrativ passen, hat mit Demokratie oder politischem Diskurs nichts zu tun. Das sind persönliche Befindlichkeiten, die als Politik ausgetragen werden.

Und genau das ist das Problem.

Denn eine Demokratie lebt nicht davon, dass alle gleich denken.

Sie lebt davon, dass unterschiedliche Stimmen gehört werden.

Nona Simakis

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