Nonas Kolumne – Klare Worte, klare Meinung

Steinzeit-Stammtisch 2026 – Wenn Parteidenken den Verstand frisst

Wir schreiben das Jahr 2026. Technisch sind wir Lichtjahre weit. Politisch oft keinen Schritt weiter.

Sobald es um Parteidenken geht, sind wir wieder im Kleingartenverein.

Ich schlage die Dortmunder Tageszeitung auf und sehe den Bericht über den SPD-Parteitag. Keine große Selbstfeier. Eher Orientierungslosigkeit. Alte Muster, wenig Substanz.

Und ein Satz bleibt hängen: Dass man die Stimmen der Bürger nicht gehört hat.

Gesagt von Herrn Westphal.

Ich frage mich, Herr Westphal: Mussten Sie erst aus Ihrer Position raus, um das zu erkennen? Oder wussten Sie es die ganze Zeit und haben es einfach ignoriert?

Das ist der Punkt.

Und gleichzeitig wird darüber gesprochen, Social Media nicht in den Fokus zu stellen. Im Jahr 2026. Das ist kein Schritt. Das ist der Rückwärtsgang. Und dann steht da auch noch, dass man sich jetzt gegen Kalouti positionieren will.

Nein. Genau das will keiner mehr hören.

Wir Dortmunder Bürger wollen nicht, dass ihr euch gegen irgendwen positioniert. Wir wollen, dass ihr für Dortmund arbeitet. Für die Menschen. Für das, wofür ihr gewählt wurdet.

Und genau hier fehlt etwas Entscheidendes: Der gemeinsame Nenner.

Stattdessen entsteht immer wieder dieses Muster. Dieses ständige Gegen-etwas-Sein. Dieses Aufmachen neuer Fronten, damit man sich nicht mit dem beschäftigt, was hier vor Ort passiert. Und sofort kommt der nächste Reflex: „Ja, aber …

Genau das ist das Problem.

Während man sich daran abarbeitet, wird das, worum es eigentlich geht, immer größer. Sichtbar größer. Es kann nicht sein, dass sich Initiativen aus der Bürgerschaft zusammentun müssen, um diese Stadt sauber zu halten, weil es über Jahre aus dem Rat nicht funktioniert hat. Der erste, der überhaupt einmal sichtbar etwas gemacht hat, war Kalouti mit seiner Reinigungsaktion der Innenstadt. Und selbst da geht es am Ende wieder darum, gegen ihn zu schießen, statt zu erkennen, dass überhaupt etwas passiert ist.

Das ist das Muster: Wenn keine eigenen Lösungen da sind, sucht man sich jemanden, gegen den man arbeiten kann.

Dieses Muster ist längst kein Einzelfall mehr. Es gibt mittlerweile Umfragen, die zeigen, wie schnell Menschen sich angegriffen fühlen, wenn jemand eine andere Meinung hat. Diskussion wird ersetzt durch Bewertung. Und genau daraus entsteht dieses permanente Beleidigtsein. Dieses Einordnen. Dieses Aussortieren.

Stattdessen erleben wir Egos. Befindlichkeiten. Auftritte ohne Gefühl für Wirkung.

Und ganz ehrlich: Wenn ihr von unserem Geld bezahlt werdet, dann darf man auch Anstand erwarten. Und Respekt. Respekt vor den Bürgern, die euch gewählt haben.

Und genau dieser Respekt fehlt.

Intern wird gearbeitet – gegeneinander, übereinander, mit Beleidigungen und Wortverdrehungen. Und dann kommt noch so eine Aussage, gelesen bei einer Dortmunder Politikerin, die gleichzeitig betont, dass man ihre Worte verdrehen würde und andere so darstellt, als wären sie nicht einmal in der Lage, richtig zu lesen und zu verstehen.

Das muss man sich einmal bewusst machen.

Man soll sich also positionieren, mit wem man befreundet ist, damit man eingeordnet werden kann. Das ist kein Diskurs. Das ist Machtausübung. Wenn ich sagen würde, was ich davon halte, hätte ich wahrscheinlich schneller eine Anzeige, als mir lieb ist. Denn das ist ja das Spiel: Die einen dürfen austeilen, die anderen sollen still sein.

Aber genau darum geht es. Das ist Machtmissbrauch.

Und während man sich intern beschäftigt, gegeneinander arbeitet und sich in solchen Aussagen verliert, passiert draußen genau das, was Herr Westphal selbst gesagt hat:

Die Stimmen der Bürger werden nicht gehört.

Vielleicht sollte man sich genau an dieser Stelle einmal fragen, woran man eigentlich Führung erkennt:

An Auftreten. An Haltung. An Bildung. An der Fähigkeit, ruhig zu bleiben, auch wenn Kritik kommt. An einer Sprache, die nicht entgleist. An einem gewissen Maß an Stil.

Und genau deshalb fällt jemand wie Kalouti überhaupt auf. Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er zeigt, dass es auch anders geht.

Wer sich heute noch hinter Parteilogik versteckt, hat den Auftrag nicht verstanden. Und gehört da auch nicht hin.

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