Nonas Kolumne – Klare Worte. Klare Meinung

Na, haben Sie es schon gehört? Unser aller Wohl liegt den Herrschaften in Berlin mal wieder schwer im Magen. Eine Zuckersteuer soll her. Offiziell natürlich nur, damit wir nicht alle als kugelrunde Diabetiker enden. Dass dabei zufällig die Staatskasse so richtig schön klingelt, ist natürlich reiner Zufall, ein gesunder Nebeneffekt sozusagen.
Aber mal ehrlich. Wer glaubt eigentlich noch an das Märchen vom fürsorglichen Staat, der nachts wachliegt und um meine Bauchspeicheldrüse weint.
Ein Blick ins Gruselkabinett der Geschichte reicht ja völlig aus, um zu verstehen, wie das Spiel läuft. Man verkauft uns das Ganze als modernes Gesundheitsprojekt, dabei ist die Masche so alt und verstaubt wie eine vergessene Packung Kandis ganz hinten im Schrank.
Schon 1841 hat man gemerkt, dass sich beim Zucker wunderbar zugreifen lässt. Damals war es Luxus, heute erklärt man den Genuss einfach zur Sünde, damit das Abkassieren moralisch sauber wirkt.
Und mein absoluter Liebling bleibt die Sektsteuer von 1902. Kaiser Wilhelm der Zweite brauchte Geld für seine Kriegsflotte. Die Schiffe sind längst verschwunden, der Kaiser auch, aber die Steuer zahlen wir bis heute bei jedem Korkenknallen. So viel zur zeitlich begrenzten Maßnahme.
Man sieht doch, wie es läuft. Wenn der Fiskus einmal Geschmack gefunden hat, lässt er nicht mehr los. Die Zuckersteuer von heute ist die Dauersteuer von morgen. Der Anlass verschwindet, die Einnahme bleibt.
Warum also bei Zucker aufhören.
Wenn der Körper plötzlich zur Einnahmequelle wird, dann bitte konsequent. Die Salzabgabe liegt doch praktisch schon auf dem Tisch. Das nächste weiße Gift wartet bereits. Und wer im Sommer oder beim Sport ordentlich schwitzt, der scheidet wertvolles Natrium aus. Ressourcenverlust am eigenen Leib. Also bitte eine Abgabe auf körperliche Aktivität. Endlich lohnt sich Bewegung auch für den Staat.
Und während wir schon beim Alltag sind. Die Zeit an roten Ampeln ist wirtschaftlich völlig ungenutzt. Menschen stehen einfach da und produzieren nichts. Warum nicht auch hier eine Gebühr. Stillstand muss sich schließlich rechnen.
Man könnte das beliebig fortsetzen. Schlaf, Stress, Bildschirmzeit, alles messbar, alles bewertbar, alles irgendwann bepreisbar. Und plötzlich ist das Leben keine Lebensführung mehr, sondern eine Abrechnung.
Und genau da kippt es.
Denn es geht längst nicht mehr um Zucker. Es geht um Zugriff. Um die Idee, Verhalten nicht über Einsicht, sondern über Preisschilder zu lenken. Schritt für Schritt, gut begründet, sauber verpackt.
Sagen Sie doch einfach, wie es ist. Es geht nicht um Gesundheit. Es geht darum, neue Quellen zu erschließen, weil die alten nicht mehr reichen.
Und der Zugriff endet bekanntlich nie dort, wo er beginnt.
Ich trinke meinen Kaffee ab jetzt schwarz und bitter. Nicht aus Verzicht, sondern aus Prinzip.
