Ich sags jetzt einfach: Ich habe ein Problem mit links. Und nein, ich packe diesen Satz jetzt nicht vorsorglich in fünf Einschränkungen, drei Entschuldigungen und einen pädagogisch wertvollen Beipackzettel ein. Dafür ist das hier eine Kolumne und kein Medikament.
Eigentlich hätte uns schon unsere Sprache warnen können.
Wer zwei linke Hände hat, bekommt selten den Auftrag, eine Designerküche aufzubauen. Wer mit dem linken Fuß aufsteht, trinkt erst mal Kaffee und trifft besser keine Lebensentscheidungen. Und jemanden links liegen zu lassen, gilt schlicht als unhöflich.
Vielleicht haben uns die Ahnen da doch ein paar sehr ehrliche Warnhinweise hinterlassen.
Und dann gibt es noch diese fundamentale Regel, die jedes Kind verinnerlicht:
Rechts vor links.
Politisch lohnt es sich ohnehin, vor dem Abbiegen einmal kurz zu checken, wo die Straße eigentlich herkommt.
Eine kleine, kostenlose Geschichtsstunde
Viele scheinen das ja komplett verdrängt zu haben, deshalb hier kurz zum Mitschreiben: Zur DNA der heutigen Linken gehört nun mal die SED. Ja, die mit der Mauer, den Parolen und dem staatlich verordneten Blick nach vorn.
Aus der SED wurde die SED/PDS, dann die PDS, dann die Linkspartei.PDS, bis man sich 2007 mit der WASG zur heutigen Partei Die Linke verkuppelt hat. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)
Natürlich ist die heutige Linke nicht eins zu eins die alte Staatspartei. Aber politische Vita löscht sich eben nicht dadurch, dass man ein neues Praxisschild an die Tür schraubt. Wir reden hier schließlich nicht über einen Kleingartenverein, der sich wegen einer Heckenhöhen-Diskrepanz umbenannt hat.
Da kriegt die linke Bazille plötzlich einen ganz ordentlichen Stammbaum.
Der Berliner Reality-Check
Kommen wir in der Gegenwart an. In Berlin.
Dort ist Clankriminalität längst kein theoretisches Schlagwort mehr. Das offizielle Berliner Lagebild für 2025 ordnete 685 Personen diesem Phänomenbereich zu und registrierte 952 Straftaten. Gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 11 Prozent bei den zugeordneten Personen und 12 Prozent bei den erfassten Straftaten. (Quelle: Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin, Lagebild Clankriminalität 2025)
Zahlen sind bekanntlich extrem unhöflich. Die lassen sich so verdammt schlecht mit reiner Empörung wegdiskutieren.
Gleichzeitig wollte die Berliner Linksfraktion die Gewerbeüberwachung aus der Zuständigkeit der Polizei herauslösen und in die Wirtschaftsverwaltung überführen. Begründung: Die Gewerbeüberwachung müsse diskriminierungsfrei organisiert und eine selektive Kontrollpraxis beendet werden. (Quelle: Linksfraktion Berlin, Beschluss vom 13. Dezember 2022)
Natürlich stellt man niemanden wegen seines Nachnamens unter Generalverdacht. Das nennt man Rechtsstaat, und darüber müssen erwachsene Menschen keine zwanzig Minuten debattieren. Aber ein funktionierender Rechtsstaat bedeutet für mich eben auch, dass der Staat bei organisierter Kriminalität ganz genau hinschaut.
Oder eben, um im Bild zu bleiben: sehr enge Kontakte pflegt.
Der Chat, der sich selbst schreibt
Manchmal liefert die Realität einfach die besten Pointen.
Da chattet ein Berliner Bundestagsabgeordneter der Linken fröhlich mit dem Sohn eines bekannten Mitglieds der Remmo-Familie. Man nennt sich „Bruder“. Man lässt dem Vater „Grüße mit Respekt“ ausrichten. Und am 17. Februar bittet man den Filius kurzerhand darum, doch bitte einen Ausschnitt aus der eigenen Bundestagsrede im eigenen Netzwerk zu verbreiten. (Quelle: veröffentlichter Chat und Presseberichte)
Das Schöne daran?
In genau dieser Bundestagsrede hatte der Abgeordnete den Begriff „Clankriminalität“ als politischen Kampfbegriff kritisiert und davor gewarnt, Menschen aufgrund ihres Familiennamens der Clankriminalität zuzuordnen. (Quelle: Bundestagsrede vom 29. Januar 2026)
Und ausgerechnet dieses Video sollte über den Sohn eines Mitglieds der Remmo-Familie verbreitet werden.
Kann man sich nicht ausdenken.
Kurz zuvor war übrigens dessen Vater auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht. Die Partei erklärte anschließend, er sei nicht eingeladen gewesen. (Quelle: Presseberichte zur Wahlparty)
Die Reaktion des Abgeordneten, nachdem die Sache aufflog? Er entschuldigte sich für den Kontakt und erklärte, zunächst gar nicht gewusst zu haben, mit wem er da schreibt.
Klar doch.
Wir alle schreiben täglich fremde Leute an, taufen sie „Bruder“, schicken Respektsgrüße an den Erzeuger und betteln um Reichweite für unsere Social-Media-Clips. Macht man halt so, wenn man sich nicht kennt.
In Berlin nennt man das vermutlich Basisarbeit.
Vielleicht geht diese Milchmädchenrechnung irgendwo auf, wo der Name Remmo noch nie gefallen ist.
Aber in Berlin?
Da gerät selbst das Milchmädchen ins Grübeln.
Und damit wären wir wieder bei einer meiner Lieblingsbeschäftigungen: Zahlen.
Die Konsequenz? Die parlamentarischen Funktionen ruhen vorerst und der Abgeordnete nimmt bis auf Weiteres nicht an Sitzungen des Innenausschusses teil. Das Bundestagsmandat bleibt unangetastet.
Und damit auch die monatliche Abgeordnetenentschädigung von 11.833,47 Euro. (Quelle: Deutscher Bundestag)
Die Verantwortung macht Homeoffice. Das Konto arbeitet weiter.
Die Grammatik des Gutmenschentums
Genau hier sitzt für mich die linke Bazille. Sie kommt nämlich fast nie im Labor-Look daher, sondern in feinster Seide. Sie buchstabiert sich:
Gerechtigkeit. Solidarität. Frieden. Gleichheit.
Wer will schon gegen Gerechtigkeit sein? Wer will Krieg? Wer lässt freiwillig Schwächere zurück?
Spannend wird es immer erst im Kleingedruckten.
Gleichheit und Gerechtigkeit sind nämlich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das wusste schon Aristoteles, ganz ohne Crashkurs.
Menschen treffen unterschiedliche Entscheidungen, gehen unterschiedliche Risiken ein, übernehmen unterschiedlich viel Verantwortung und erzielen unterschiedliche Ergebnisse.
Die politische Kernfrage lautet doch: Wie viel Staat ertragen wir, wenn er Ungleichheit korrigieren will? Ab welchem Punkt wird aus dem hehren Versprechen von Fairness die absolute Bevormundung, weil andere gefälligst nach der eigenen Ideologie zu leben haben?
Freiheit zeigt ihren wahren Wert eben nicht dort, wo alle stramm im selben Takt marschieren. Freiheit fängt da an, wo jemand anders leben darf als ich.
Deshalb führt jede Kritik am linken Zeitgeist auch zielsicher nirgendwo ins rechte Eck. Nur weil ich kein Fan von ideologischen Einbahnstraßen bin, muss ich mich nicht beim nächstbesten Extremisten auf den Beifahrersitz zwängen.
Man darf im Zweifel auch einfach geradeaus fahren.
Und ein kleiner Gruß an all die bürgerlichen Parteien, die sich mittlerweile so gern mit den Linken an denselben Tisch setzen: Wer sich mit den Geistern der Vergangenheit gemein macht, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann das Licht ausgeht.
Welche Parteien ich meine?
Och, das heben wir uns für das nächste Mal auf.
Die nächste Kolumne braucht schließlich auch noch Futter.
Bis dahin gilt: Selber schauen. Selber denken.
Und wenn das Navi flötet: „Bei nächster Gelegenheit links abbiegen“, einfach mal Gas geben und geradeaus weiter.
Ich habe euch gewarnt.
Nona Simakis

